Selbstgesteuertes Lernen
Selbstgesteuertes Lernen
Selbstgesteuertes Lernen ist ein fester Bestandteil unseres Schulalltags und ein wichtiger Baustein unserer pädagogischen Arbeit. Grundlage ist das Churer Modell, das eine klar strukturierte und zugleich kindgerechte Lernumgebung schafft. Wir sind überzeugt, dass Kinder besonders nachhaltig lernen, wenn sie ihren Lernprozess aktiv mitgestalten können. So erleben sie sich als selbstwirksam und kompetent, entwickeln Freude am Lernen und übernehmen zunehmend Verantwortung für ihren eigenen Lernweg. Gemeinsam lernen ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Die Kinder arbeiten regelmäßig mit Partner*innen oder in kleinen Gruppen, erklären sich Inhalte gegenseitig und unterstützen einander. So erfahren sie, dass unterschiedliche Stärken wertvoll sind und gemeinsames Lernen die Motivation und den Lernerfolg unterstützt. Zusammenarbeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und gegenseitige Ermutigung prägen unsere Lernkultur. Selbstgesteuertes Lernen bedeutet für uns nicht, dass Kinder allein gelassen werden. Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter*innen begleiten die Lernprozesse aufmerksam und verlässlich. Sie strukturieren die Lernangebote, beraten bei der Planung, geben individuelle Rückmeldungen und sorgen dafür, dass jedes Kind angemessen gefordert und gefördert wird. Regelmäßige Reflexionsphasen und Gespräche helfen den Kindern, ihren Lernstand einzuschätzen, eigene Ziele zu formulieren und nächste Schritte zu planen. Anstelle klassischer Notenzeugnisse machen wir die individuellen Lernwege durch Lernentwicklungsgespräche und Lernentwicklungsberichte sichtbar. Gemeinsam mit den Kindern werden Fortschritte, Stärken und nächste Lernziele betrachtet.
Das Churermodell
Das Churermodell ist ein pädagogisches Konzept, das wir an unserer Schule von der 1. bis zur 4. Klasse umsetzen. Es verfolgt das Ziel, jedes Kind ganzheitlich zu fördern und es auf seinem Weg zu mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung beim Lernen zu unterstützen. Das Konzept wurde in der Schweizer Stadt Chur entwickelt, um den Übergang vom Kindergarten in die Schule zu erleichtern. Im Mittelpunkt stehen dabei drei wesentliche Elemente:
Die Gestaltung des Klassenraums
Unsere Klassenräume bieten unterschiedliche Arbeitsplätze. Die Kinder wählen im Laufe des Schultages ihren Arbeitsplatz und ihre Lernpartner*in passend zu ihren Bedürfnissen und Aufgaben selbst aus. Ein fester Platz im Sitzkreis gibt dabei Orientierung und schafft einen vertrauten Ausgangspunkt.
Inputphase im Kreis
Neue Themen werden zunächst in einer kurzen Inputphase im Kreis eingeführt. Die Kinder erhalten wichtige Informationen und Impulse, die ihnen anschließend ermöglichen, selbstständig an den jeweiligen Lerninhalten weiterzuarbeiten.
Lernen mit individuellen Lernaufgaben
Anschließend arbeiten die Kinder zunehmend eigenständig und in ihrem eigenen Lerntempo an individuellen Aufgaben. Je nach Lernangebot können sie Aufgaben selbst auswählen oder diese gemeinsam mit der Lehrkraft besprechen. Die Lehrkräfte begleiten und unterstützen die Kinder, beobachten ihre Lernprozesse und geben individuelle Hilfestellungen.
So schafft das Churermodell einen Lernalltag, in dem Kinder zunehmend Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen, eigene Entscheidungen treffen und dabei individuell begleitet und gefördert werden.
Klassenräume
Unsere Klassenräume sind so gestaltet, dass sie die Kinder in ihrem selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lernen unterstützen. Alle Räume sind mit neuen Möbeln ausgestattet, die passend zum Konzept des Churermodells ausgewählt und speziell für unsere Schule konzipiert wurden. Ein zentraler Bestandteil jedes Klassenraums ist der Sitzkreis mit Sitzhockern. Jedes Kind hat hier einen festen Platz mit eigenem Stauraum für Stehordner, Frühstücksbox und persönliche Materialien. Für die Arbeitsphasen können die Kinder ihren Arbeitsplatz selbst wählen – passend zu ihrer Aufgabe und ihren persönlichen Bedürfnissen. Ob Einzelplatz an der Wand oder am Fenster, Zweiertisch oder Gruppentisch: Die unterschiedlichen Arbeitsplätze bieten Raum für konzentriertes Arbeiten ebenso wie für gemeinsames Lernen. Ein Sofa lädt zum Lesen und Entspannen ein und schafft einen weiteren Rückzugsort im Klassenraum. Auch der Tagesablauf ist in unseren Klassenräumen für die Kinder transparent gestaltet. Ein Board mit Piktogrammen zeigt den Tagesplan, der zusätzlich im Morgenkreis gemeinsam besprochen wird. So wissen die Kinder, was sie erwartet, und können ihren Schulalltag zunehmend selbstständig mitgestalten. Ergänzt wird die Ausstattung durch ein Smartboard, das den Einsatz digitaler Medien im Unterricht ermöglicht.
Lernzeiten
An unserer Schule fassen wir die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht als Lernzeiten zusammen. Dafür stehen den Kindern pro Woche sieben bis acht Lernzeiten zur Verfügung. Jede Lernzeit beginnt mit einem gemeinsamen Input, meist im Sitzkreis. Dabei wird ein Thema aus Deutsch, Mathematik oder Sachunterricht eingeführt. Anschließend arbeiten die Kinder selbstständig weiter und entscheiden – je nach Lernstand und Interesse –, ob sie bei dem aktuellen Thema bleiben oder sich einer anderen Aufgabe zuwenden. Auch Inhalte aus weiteren Unterrichtsfächern können anschließend bearbeitet werden.
So können die Kinder beispielsweise nach der Einführung des Buchstabens „S, s“ an verschiedenen Lernstationen arbeiten. Nach einigen Stationen entscheiden sie selbst, ob sie weitere Aufgaben zum Buchstaben bearbeiten oder beispielsweise in Mathematik mit den Zahlen bis 20 weiterarbeiten möchten.
Das Konzept ermöglicht individuelles Lernen, bei dem die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lernstände der Kinder berücksichtigt werden können. Gleichzeitig lernen die Kinder, ihr eigenes Lernen zunehmend selbstständig zu planen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen. Die Lehrkraft begleitet diesen Prozess, berät die Kinder und gibt ihnen Hinweise, in welchem Lernbereich die weitere Arbeit gerade besonders sinnvoll ist. Nach unserer Erfahrung können die Kinder auf diese Weise schon früh über einen längeren Zeitraum an ihren Unterrichtsthemen arbeiten.
Kompetenzorientierte Zeugnisse
Was sagt eigentlich eine „3“ im Fach Deutsch über die Fähigkeiten eines Kindes aus? Eine solche Gesamtnote kann vieles bedeuten: Vielleicht liest ein Kind bereits sehr sicher, hat aber noch Schwierigkeiten beim Verfassen eigener Texte. Vielleicht liegen seine Stärken im Rechtschreiben, während es sich beim Sprechen und Zuhören noch weiterentwickelt. Oder es zeigt in allen Bereichen durchschnittliche Leistungen. Eine einzelne Zahl kann die vielfältigen Kompetenzen eines Kindes daher nur unzureichend abbilden. Das möchten wir anders machen. Wir wollen Kindern und Erziehungsberechtigten möglichst transparent und differenziert zeigen, was ein Kind bereits sicher beherrscht und in welchen Bereichen noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Deshalb bewerten wir nicht nur ein Fach als Ganzes, sondern betrachten die einzelnen Kernkompetenzen.
Für jedes Fach und jedes Lernjahr haben wir Kompetenzformulierungen entwickelt, die wichtige Inhalte und Fähigkeiten beschreiben. Mithilfe eines vierstufigen Bewertungssystems wird sichtbar, wie weit das Kind die jeweilige Kompetenz bereits entwickelt hat.
Als Symbol für dieses System begleitet uns eine Pflanze: Der Keim steht für die Grundlage einer Kompetenz, die in jedem Kind angelegt ist. Mit den ersten Lernschritten beginnt sie zu wachsen. Je sicherer eine Fähigkeit wird, desto größer wird die Pflanze – bis hin zur blühenden Blume, die für eine nahezu oder vollständig erworbene Kompetenz steht.
So kann beispielsweise sichtbar werden, dass ein Kind im Bereich „Richtig schreiben“ bereits wichtige Grundlagen erworben hat, diese aber noch weiter festigen muss. Beherrscht es die erlernten Rechtschreibregeln dagegen sicher und kann sie selbstständig auf neue Situationen übertragen, zeigt sich dies in der höchsten Kompetenzstufe.
Unsere Bewertung bezieht sich dabei immer auf den jeweiligen Lernzeitraum und die darin behandelten Inhalte. Deshalb kann sich eine Kompetenz im Laufe des Schuljahres auch unterschiedlich darstellen. Eine Fähigkeit, die im ersten Halbjahr bereits sicher beherrscht wurde, muss im zweiten Halbjahr beispielsweise nicht erneut in derselben Weise sichtbar sein, wenn andere Inhalte oder Anforderungen im Mittelpunkt stehen.Auf diese Weise entsteht ein differenziertes Bild der individuellen Lernentwicklung. Auf einen Blick wird sichtbar, wo die Stärken eines Kindes liegen, welche Kompetenzen bereits sicher erworben wurden und wo weitere Lernschritte anstehen. Eine einzelne, möglicherweise irreführende Gesamtnote kann diese Vielfalt nicht leisten – unser Kompetenzraster macht stattdessen individuelle Lernwege, Fortschritte und Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar.
Draußentage
Jede Klasse führt einmal im Monat einen Draußentag durch. An diesem Tagen wird das Lernen bewusst nach draußen verlagert. Außerschulische Lernorte bieten vielfältige Möglichkeiten, Unterrichtsinhalte handlungsorientiert zu vertiefen und mit realen Erfahrungen zu verknüpfen. Gleichzeitig fördern die Draußentage soziale Kompetenzen wie Kooperation und Selbstständigkeit. Bewegung, Naturerfahrung und gemeinsames Lernen unterstützen eine ganzheitliche Entwicklung der Kinder.